Kap. 6 Klassentheorie

Klassentheorie

In diesem Kapitel ist die Frage zu klären, in welchen Bedingungen sich das (gewerkschaftliche) Subjekt die gesellschaftliche Welt aneignet und in welcher Position und Lebenslage es sich historisch-konkret befindet. Es ist dies die Frage nach dem historisch-konkreten Lebensgewinnungsprozess der Gewerkschaftsmitglieder. Zugleich ist es auch die Frage nach der eigenen Einbezogenheit in die historisch-konkreten Herrschaftsverhältnisse und die Frage nach der widersprüchlichen Konstitution als Gewerkschaftssubjekt und somit als Subjekt und als Teil des kollektiven Akteurs „Gewerkschaft“. Dies bedeutet einerseits spezielle Widerspruchsverhältnisse, andererseits spezielle Handlungsmöglichkeiten und potentielle emanzipatorische Handlungstendenzen, sich in diesen Widersprüchen zu bewegen und sie tendentiell zu überwinden. Ute Osterkamp schreibt, dass jede Kritik an den bestehenden Unterdückungsverhältnissen abstrakt, unverbindlich und wirkungslos bleibt, wenn die eigene Einbezogenheit in diese Verhältnisse nicht zur Sprache kommt (vgl. Osterkamp 1997, 11). Nach der eigenen Einbezogenheit zu fragen macht nur Sinn, wenn ausgewiesen werden kann, dass das (gewerkschaftliche) Subjekt eine relative Handlungsfreiheit besitzt und nicht durch die Verhältnisse oder seine Gene determiniert ist.

Gewerkschaftsmitglieder im Spannungsverhältnis von Klassenstruktur und Handlungsmöglichkeit

Ich wiederhole an dieser Stelle ein Zitat aus den Ökonomisch-phiolophischen Manuskripten von Marx:

„Sie [die Menschen] selbst fangen an, sich von Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der durch ihre körperliche Organisation bedingt ist. Indem die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, produzieren sie indirekt ihr materielles Leben.[…]Die Weise, in der die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, hängt zunächst von der Beschaffenheit der vorgefundenen und zu reproduzierenden Lebensmittel selbst ab. Diese Weise der Produktion ist nicht bloß nach der Seite hin zu betrachten, daß sie die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist. Sie ist vielmehr schon eine bestimmte Tätigkeit dieser Individuen, eine bestimmte Art, ihr Leben zu äußern, eine bestimmte Lebensweise derselben. Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was sie produzieren, als auch damit, wie sie produzieren. Was die Individuen also sind, das hängt ab von den materialen Bedingungen ihrer Produktion“ (MEW Erg. I, 20f.).

Marx macht hier den Zusammenhang von individueller und gattungsmäßiger Reproduktion und den individuellen und gattungsmäßigen Lebensbedingungen deutlich. Diesen Zusammenhang zu untersuchen, ist heute weit komplexer als im Übergang von der Phylo- zur Ontogenese. Das Subjekt findet einerseits die objektive Welt vor, realisiert darin andererseits zugleich seine individuelle Daseinssicherung, wodurch es die objektive Welt zeitgleich verändert. Von zentraler Bedeutung ist nun, dass die zunehmende Funktions- und Arbeitsteilung der Gesellschaft die doppelte Beziehung des Menschen zu seiner Welt auseinanderreißt. Das heißt einerseits stehen die produzierten Lebensmittel/ -bedingungen allen Menschen potentiell zur Verfügung, andererseits muss der konkrete Mensch nicht zwingend am Re-/ Produktionsprzess beteiligt sein (vgl. Holzkamp 1985, 192f.). Durch die Arbeitsteilung findet also eine „Durchbrechung der Unmittelbarkeit“ (Holzkamp) des Zusammenhanges von der Produktion der Lebensbedingungen / -mittel und der individuellen Nutzung / dem individellen Nutzen statt. Holzkamp bezeichnet diese „Durchbrechung der Unmittelbarkeit“ auch als „gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz“, womit er deutlich macht, dass die „doppelte Beziehung“ (Holzkamp) des Menschen zur Welt und die „Durchbrechung der Unmittelbarkeit“ nicht direkt und bewusst vom Subjekt hergestellt wird, sondern gesamtgesellschaftich vermittelt ist (vgl. ebd., 193). Diese Vermittelheit bezieht sich auf die materielle und psychische Vermittlung, wie ich sie mit der Kulturhistorischen Schule herausgearbeitet habe, wie auch auf die Vermitteltheit des Subjekts und der Gesellschaft. Fassen wir mit Holzkamp zusammen: Am Anfang war der Zusammenhang von dem Subjekt und seiner Welt relativ einfach (Unmittelbarkeit). Mit der fortschreitenden Entwicklung wird diese Unmittelbarkeit durchbrochen in Richtung einer gesamtgesellschaftlichen Vermitteltheit, also einer gesellschaftlichen Form der Arbeitteilung in der die Schaffung und die Nutzung der Lebensmittel / -bedingungen auseinanderfällt.

Aus der Perspektive des Subjektes handelt es sich bei seiner Welt um ein in sich lebensfähiges Erhaltungssystem, in dem es sich selbst auch ohne konkreten Beitrag reproduzieren kann (vgl. ebd., 235). Hier findet also eine Entfremdung des Menschen von seiner Welt statt, da der Zusammenhang des individuellen Beitrags zum Gattungs- und Subjekterhalt und der eigenen Tätigkeit auseinandergerissen wird.1 Gewerkschaftliche Erkennsnisarbeit könnte hier ansetzen, um die Entfremdung theoretisch für das Subjekt aufzuschließen und einer Stigmatisieurng von Ausgeschlossenen entgegenzuwirken sowie aufzuzeigen, dass die derzeitige Verfasstheit kapitalistischer Vergesellschaftung individuelle Handlungsmöglichkeiten eröffnet, welche geeignet sind die individuelle Lebensqualität zu erhöhen und andererseits massenhaft geeignet sind die Strukturen der Gesellschaft zu verändern. Die Subjekte sind in ihren Handlungen eben nicht mehr festgelegt, sondern es gibt (zunächst) innerhalb des Rahmens immer auch die Alternative „nicht oder anders zu handeln“ (Holzkamp). Das Subjekt ist den gesellschaftlichen Bedeutungen gegenüber frei; es besitzt immer Handlungsmöglichkeiten.

„Auch, wo das Individuum unter historisch bestimmten, klassenspezifischen Bedingungen gravierenden Einschränkungen, Zwänge etc. unterworfen ist, sind dies immer Einschränkungen, Unterdrückungen, Deformierungen von gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten. Dies heißt einmal, dass das Individuum auch unter noch so eingeschränkten Bednigungen immer noch Handlungsalternativen hat, also der Möglichkeitscharakter der Bedeutungen erhalten bleibt […]; zum anderen heißt dies, dass die genannten Einschränkungen als Einschränkungen menschlicher Handlungsmöglichkeiten erst ihren spezifisch menschlichen Charakter erhalten“ (Holzkamp 1985, 236, Herv.i.O.).

Wesentlich für dieses Kapitel ist, dass die gesamtgesellschaftlichen Reproduktionsnotwendigkeiten für das Subjekt keine direkten Handlungsdeterminanten darstellen.

Diese Möglichkeitsbeziehung des Subjektes zu seinen Lebensbedingungen wirft die Frage auf, warum das Subjekt so und nicht anders handelt. Diese Frage bekommt eine besondere Bedeutung, wenn durch die existentielle Entlastung des Subjektes von der individuellen Reproduktion eine „Erkenntnisdistanz“ (Holzkamp) entsteht, die dem Subjekt ermöglicht, sich im Verhältnis zur Welt zu begreifen, objektive Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und selbstreflexiv zu handeln (vgl. ebd.). Hierdurch ist eine Subjektentwicklung möglich, welche es dem Subjekt ermöglicht immer mehr „Klarheit über die eigenen Interessen in ihrem Verhältnis zu den Interessen anderer“ (ders. 1997, 142) zu bekommen.

Wissenschaftlich und aus einer emanzipatorischen Perspektive muss nach dem Zusammenhang und der Aufrechterhaltung von Unterdrückung durch gewerkschaftliche Subjekte gefragt werden, die zwar einerseits unter den historisch-konkreten Bedingungen z.B. unter Fremdbestimmung und Ausbeutung leiden, andererseits aber als Mitglieder einer Interessenorganisation für LohnarbeiterInnen gegen diese Unterdrückungsverhältnisse kämpfen, diese jedoch mehrheitlich nicht gänzlich in Frage stellen. Die historisch-konkreten Bedingungen bilden die Begründungsprämissen für das Handeln (gewerkschaftlicher) Subjekte. Diese „subjektiven Handlungsgründe“ bilden eine Vermittlungsebene zwischen der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion und der subjektiven Lebensbewältigung (vgl. Holzkamp 1997, 35f.). Empirisch wird in dieser Arbeit der Focus auf den Umgang mit Widersprüchen als ein Teil-Ausdruck „subjektiver Handlungsründe“ gelegt.

Nun sind wir nicht mehr im „Tier-Mensch-Übergangszeitalter“, sondern im Zeitalter einer informationstechnologischen Produktionsweise. Daher kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Arbeitsteilung kein fertiger Zustand ist, sondern eine Richtungsbestimmung gesellschaftlicher Entwicklung angibt. Für die Kontitution von Gewerkschaftsmitgliedern ist also zu untersuchen, wie sich die Position der Subjekte innerhalb des Prozesses der Arbeitsteilung verändert und welche Kämpfe es darum gibt.

„‚Positionen’, wie sie hier verstanden werden, sind also Inbegriff unterschiedlicher notwendiger aufeinander bezogener Teilarbeiten in ihrer historischen Bestimmtheit durch den jeweiligen Entwicklungsstand der objektiven arbeitsteiligen Organisation des gesellschaftlichen Lebens. In den ‚Positionen’ ist dabei durch die gesellschaftliche Gesamtorganisation die Art des Beitrags zur gesellschaftlichen Lebensgewinnung mit den darin gegebenen Möglichkeiten individueller Existenzsicherung vermittelt.

Von der historisch bestimmten Eigenart der Positionen hängt es wesentlich ab, auf welche Weise und in welchem Grade das Individuum über die Positionsrealisierung Einfluss auf den gesellschaftlichen Prozess, damit auch seine eigenen Lebensumstände, gewinnen und dabei u.U. auch zur kollektiven Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen, durch die die eigene Position bestimmt ist, beitragen kann“ (Holzkamp 1985, 196, Herv.i.O.).

Zunächst einmal heißt dies, dass sich gesellschaftliche Positionen der (gewerkschaftlichen) Subjekte aus der notwendigen gesellschaftlichen Arbeitsteilung heraus ergeben. Diese Positionen haben, wie das „Treiber-Jäger-Beispiel“ bei Leontjew zeigt, auch nicht grundsätzlich etwas mit Inklusion und Exklusion der Subjekte zu tun. Die gesellschaftlichen Positionen nehmen in der derzeitigen historisch-konkreten Gesellschaftsform die Form von Berufen an und wird durch Berufstätigkeit individuell realisiert. Die derzeitige Klassengesellschaft ergibt sich aus der Trennung von Lohnarbeit und Kapital. Holzkamp macht aber auch direkt nach der abstrakten Defionition von Position deutlich, dass die historisch-konkete Verfasstheit der Gesellschaft Einfluss auf die Positionsrealisierung der Subjekte und ihre Handlungsmöglichkeiten hat. Mit dem Begriff der Lebenslage konkretisiert Holzkamp die Position des Subjektes und seiner Realisierung von Handlungsfähigkeit, auch außerhalb der konkreten Position innheralb des Prozesses der Arbeitsteilung. Holzkamp schreibt:

„Die ‚Lebenslage’ des Individuums, wie wir sie verstehen, ist Inbegriff der gesellschaftlich produzierten gegenständlich-sozialen Verhältnisse vom realen Standort des Individuums aus, also soweit und in der Weise, wie es damit tatsächlich in Kontakt kommt. Die objektive Lebenslage ist so einerseits eine bestimmte standortabhängige Konkretion der Beziehung des Individuums zu gesellschaftlichen Positionen und umfasst damit auch das ‚Noch-Nicht’ oder ‚Nicht-Mehr’ der Realisierung von bestmmten Positionen oder Positionen überhaupt […]; sie umfasst andererseits alle gesellschaftlichen Bedingungen der individuellen Reproduktion des Lebens außerhalb des Bereichs der Beteiligung an verallgemeinert-gesellschaftlicher Lebensgewinnung, die zwar von den Positionen und ihrer personalen Realisierung abhängen, aber nicht darin aufgehen, also alle regionalen Umstände gegenständlicher und sozialer Art im Reproduktionsbereich, unter denen das Individuum sein unmittelbares Leben führt und bewältigen muß“ (Holzkamp 1985, 197, Herv.i.O.).

Die Analyse der historisch-konkreten Lebenslage/Position eines (gewerkschaftlichen) Subjektes innerhalb einer konkreten Gesellschaftsformation kann Licht in den Zusammanhang von personaler Handlungsfähigkeit und gesellschaftlicher Bedingungsverfügung sowie ihrer Vermitteltheit und formationsspezifischen Gebrochenheit aufzeigen. Personale Handlungsfähigkeit ist die „Verfügung des Individuums über seine eigenen Lebensbedingungen in Teilhabe an der Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess“ (ebd., 241, Herv.i.O.). Diese personale Handlungsfähigkeit und die subjektiven Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind in der bürgerlichen Gesellschaft durch diese gebrochen und strukturiert. Das Verhältnis von Möglichkeiten und Behinderungen muss im Folgenden analysiert werden. Ich habe weiter oben die Möglichkeit der Subjektentwicklung eröffnet. Zum Schluss dieses Unterkapitels muss festgehalten werden, dass die Erkenntnis der eigenen Interessen sowie ihre Durchsetzung nicht dem Belieben der Subjekte unterliegt, sondern kontigent sind. Sie sind bedingt durch „den historisch bestimmten Stand der gesellschaftlichen Widerspruchsentwicklung und dem objektiven Organisationsgrad der Arbeiterschaft etc., in den dem Individuum von seiner spezifischen klassenbestimmten Lebenslage/Position aus zugänglichen Aspekten und Ausschnitten“ (Holzkamp 1985, 366, Herv.i.O.).

Die Fragen die sich ergeben sind: 1. Was sind die vorgefundenen Voraussetzungen individueller Existenzsicherung? 2. Wie re-/produziert sich das Subjekt in den konkreten Verhältnissen? 3. Welche Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten sind theoretisch analysierbar? 4. Darin eingeschlossen die Frage, ob es so etwas wie verallgemeinerbare Handlungsnotwendigkeiten überhaupt geben kann. Zur Beantwortung der Fragen muss analytisch zwischen der Akkumulationsbewegung des Kapitals und den Handlungen der Subjekte unterschieden werden. Die Subjekte sind zwar TrägerInnen jeder ökonomischen Handlung, ihre Handlungen „sind jedoch in strukturelle Zwänge eingebettet, die ihnen eine spezifische Handlungsweise nahelegen“ (Diettrich 1999, 199).

Werttheoretisch fundierte Klassentheorie

Klasse, Schicht, soziale Ungleichheit?

Beginnen mit einem kurzen Abriss zur Klassentheorie und der Theorie sozialer Ungleichhiet.

Erst im nächsten Schritt zur Werttheorie

Gehört in ein anderes Kapitel

Arbeitsteilung aus der Perspektive Kritischer Psychologie

Die historisch-genetischen Untersuchungen der Kritischen Psychologie waren zu Beginn gerichtet auf den Dominanzumschlag von der Phylo- zur Ontogenese, also der Frage, was den Menschen vom Tier unterscheidet, um von dort aus, eine katogoriale Neubestimmung der Psychologie zu leisten. Es ging ihr zu Beginn um die Analyse der Genese der „gesellschaftlichen Natur“ des Menschen, die zum einen historische Entwicklungsprozesse und –notwendigkeiten konkretiesiert, zum anderen den Menschen als unterworfen unter gesellschaftliche Verhältnisse wie zugleich auch als Schöpfer und Veränderer dieser Prozesse aufweisen kann (vgl. Holzkamp 1997, 28).

Zentral ist hier die eingreifende Umweltverändeurng mittels des Werkzeuggebrauchs und der systematischen Werkzeugherstellung, wodurch diesem Gebrauch die situative Zufälligkeit genommen wird und durch eine Planbarkeit und Antizipierbarkeit ersetzt wird. Im „Tier-Mensch-Übergangsfeld“ hatte sich die gesellschaftliche Lebensgewinnung noch nicht vollständig gegenüber dem evolutionären Prozess durchgesetzt. Evolutionstheoretisch führte die überindividuelle Kooperation der Individuen und die systematische Werkszeugherstellung zu einem Selektionsvorteil gegenüber rein biologischen Anspassungsprozessen. Dieser „Dominanzumschlag“ von der phylogenetischen zur gesellschaftlich-historischen Entwicklung des Menschen verwies die Evolutionsgesetze auf einen nachrangigen Platz hinter die gesellschaftlich-historische Entwicklung, da nun Veränderungsprozesse schneller von statten gehen, als die genomische Entwicklung. Wesentlich ist nun die Einzigartikeit der menschlichen Entwicklung in dem Punkt, dass es die „biologische“ Potenz des Menschen ist, „sich individuell in Prozesse gesellschaftlich-historischer Größenordnung hineinzuentwickeln und damit zu deren Träger/ Veränderer zu werden“ (ebd., 29). An anderer Stelle schreibt Holzkamp: „Während auf vormenschlichem Niveau der Lern- und Entwicklungsfähigkeit selbst höchster Tierarten phylogenetisch gewordene artspezifische Obergrenzen gesetzt sind, sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen nicht individuell beschränkt, sondern umfassen im Prinzip die Voraussetzungen zur individuellen Realisierung der gesamten unabgeschlossenen gesellschaftlich-historischen Entwicklung[…]“(Holzkamp 1997, 57). Im weiteren Verlauf ist zu untersuchen, wie die Klassenbedingtheit sich auf die Blockierung von Erkenntnisprozessen gewerkschaftlicher Subjekte auswirkt, wodurch sie ihre volle Potenz nicht entfalten können. Mit dieser Analyse ist es der Kritschen Psychologie gelungen die „gesellscahftliche Natur“ des Menschen als Vermittlungsinstanzbegriff zwischen ‚Natur’ und ‚Gesellschaft’ zu entwickeln. Wie ich mit Wygotski herausgearbeitet habe, ist der Mensch von Anfang an mit anderen Menschen vermittelt. Hierin eingeschlossen ist eine aktive Kommunikation des Subjektes mit seiner Umwelt. Dabei ist die Kommunikation abhängig von den jeweiligen Geschlechterverhältnissen in denen das Subjekt aufwächst und sich bewegt. Die notwendige Zusammenarbeit des Menschen führt jedoch nicht nur zu einer „[…]Reproduktion bestimmter im jeweiligen ‚Kulturkreis’ bereits vorhandener (möglicherweise geschlechts-, klassen- oder schicht-‚spezifischer’) Fähigkeiten […], sondern [fördert, R.B.] (korrespondierend der Entwicklung der Formen des menschlichen Zusammenlebens und –wirkens) ebenso auch die Chance zur Herausbildung neuer, bisher noch nicht vorhandener Fähigkeiten bietet“ (Keiler 1999, 103). Die Begriffe „Vermitteltheit“ und „Zusammenarbeit“ sind zentrale Begriffe der kulturhistorischen Schule und der Kritischen Psychologie. Wygotski nimmt die Vermittlung des Subjektes mit seiner Umwelt aus einer ‚individuellen’ Perspektive in den Blick, der Entwicklung des Säuglings zum (Klein-)Kind usw. Leontjew und Holzkamp hingegen legen ihren anfänglichen Focus auf den „Dominazumschlag“, aund damit auf die kooperative Zusammenarbeit der Menschen als Selektionsvorteil und als Grundbedingung der Ontogenese.

1 Hiermit soll keinsewegs ein Arbeitszwang begründet werden. Gerade die kapitalistische Verfasstheit der Gesellschaft produziert Ausgeschlossene, zum einen welche, die für die kapitalistische Verwertung nicht mehr gebraucht werden (Alte, Kranke, Menschen mit nicht verwertbaren Kompetenzen usw.), zum anderen die „industrielle Reservearmee“, welche in Hab Acht-Stellung steht und antritt sobald das Kapital ruft und/oder die SGB-II-Arbeitsgemeinschaften zwingen.

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